Gedanken zur Neugierde
Neugier ist unsere innere Triebfeder, die jedoch gegenüber der Unruhe einer Uhr nie aufgezogen zu werden braucht.Sie leitet die Handlungen der Menschen von Geburt bis zum Tod seitdem sie aus den Bäumen kamen.Der Neugeborene lemt aus Neugierde zu gehen, denn er will wissen, was dort auf dem Tisch steht.Der Erwachsene ist neugierig auf Fortschritte der Technik oder Entwicklungen in der Politik.Ohne Neugierde ist dem Menschen sein gesamter Lebenszweck, sein Wille zum Leben entzogen.Warum sollten wir leben, wenn es nicht den Drang geben würde, hinter Geheimnisse in allen Sparten des menschlichen Betätigungsfeldes zu kommen?Neugierde führt unausweichlich zu Fragen.Wenn diese nicht von den Mitmenschen beantwortet werden können, denken wir - innerhalb der uns gegebenen Grenzen - über sie nach.Treffen dann zufällig z.B. ein technisches Problem und ein neugieriger, fähiger Techniker zusammen, so besteht eine gute Chance, daß wir auf seinem Gebiet eine Fort- oder Neuentwicklung beobachten können.
Neugierde stellt dabei aber immer ein Neutrum dar, kann vielmehr beides implizieren, Gefahr und Hoffnung.Der Mensch ist nicht in der Lage, die Zukunft bis ins Detail vorherzusagen.Genauso wenig ist es ihm möglich die Folgen seiner Neugierde zu beherrschen.Erst wenn die Entdeckung des Neuen, die Lösung der Frage vorliegt, kann er die Folgen ableiten.Genauso ist es z.B. Dr. Oppenheimer ergangen.Seine Neugierde trieb ihn dazu in Los Alamos die erste Atombombe zu konstruieren.Ohne Zweifel sind seine Entdeckungen, trennt man sie von der militärischen Verwendung (und das ist möglich), ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der Menschheit.Ich habe allerdings meine Zweifel, ob er genauso enthusiastisch ans Werk gegangen wäre, wenn er Hiroshima und Nagasaki nach den Bombenabwürfen hätte sehen können.Seine wissenschaftliche Neugierde trieb ihn jedoch dazu - im Wissen um eine spätere militärische Verwendung - eine der größten Bedrohungen des Planeten Erde (abgesehen von der Intoleranz) in die Welt zu setzen.Diese Dinge sind unausweichlich.Die Neugierde, also die Gier nach Neuem, treibt uns dem Unbekannten in die Arme.Was neu ist, kann von uns nur unzureichend abgeschätzt werden.Zusätzlich wird unsere Angst und damit verbunden Vorsicht, die wir dem Neuen gegenüber empfinden, durch das Gefühl der Neugierde schnell betäubt.Durch Neugierde sammeln wir Wissen, vor allem in Sparten, die uns interessieren.Irgend jemand hat einmal den klugen Satz gesprochen - "Wissen ist Macht". Für mich ist zwar die Anwendung des Wissens die eigentliche Machtausübung, aber die Grenze ist nicht klar zu definieren.Wie dem auch sei, Neugierde kann uns also Macht bescheren, Macht über andere.
Dafür gibt es ein ganz einfaches Beispiel aus dem täglichen Leben.Reizt es uns nicht, in das Tagebuch einer anderen Person zu schauen, um die intimsten Gefühle des Verfassers kennenzulernen'?Lesen wir das Tagebuch, so wissen wir mehr über ihn als er über uns, wir können ihn besser abschätzen, berechnen - wir besitzen eine Form der Macht über ihn.Neugierde ist nicht immer zu befriedigen, manchmal sind die Fragen, die wir uns stellen, einfach zu hoch gegriffen, fur unseren heutigen Intellekt unlösbar.Könnten wir sie lösen, wurden die Folgen unabsehbar sein.Unserer Neugier sind also auch natürliche, logische Riegel vorgeschoben, die erst mit Finden der richtigen Schlüssel gelöst werden können, einer nach dem anderen.So ist der Mensch zumindest in Grundzügen auf die kommenden Fortentwicklungen vorbereitet.Sprünge auf jeglichem Wissensgebiet sind meiner Meinung nach kaum unmöglich.Freud, Einstein, Dali , alle diese Geniusse brachten uns vorwärts, waren dabei jedoch nachvollziehbar.Ihre Werke waren reif, basierten auf bereits bekannten Dingen.
Es gab jedoch auch Leute, absolute Ausnahmeerscheinungen, deren Fragen und Antworten ihren Zeitgenossen weit voraus waren, zu weit, um von ihnen nachvollzogen zu werden.In dieser Kategorie der 'Überflieger' wäre beispielsweise Galilei anzuführen.Seine Ergebnisse über die Bewegung der Sterne waren losgelöst von den Vorstellungen und Vorraussetzungen der Kirche, der maßgebenden Institution zu seiner Zeit.Er ignorierte einen Riegel vor der Tür seiner Frage. Neugierde ist die Frage nach dein Dahinter, die Frage nach dem 'Was weiter?'.Ein Vergleich mit den Forschungen über die innersten Strukturen der Materie, Atomkern, dann Neutronen, Quarks usw. scheint angebracht.Wir wollen bis in die innersten Sphären des Seins eindringen.Es geht uns im Endeffekt um eine ultimative Antwort, wie in der Physik um die einheitliche Feldtheorie.Es scheint mir nur fraglich, ob wir jemals an ein Ende dieses Fragens gelangen werden, denn das Universum ist bekanntlich unendlich groß.Demnach ist der Sinn unseres Lebens zu fragen, immer weiter zu fragen.